Leipziger Abendspaziergang? Macht euch frei!

„Die Zunahme von Beleidigungen, Beschimpfungen und Verhetzung würde mich, fände sie ausschließlich im Netz statt, nicht übermäßig stören. Schließlich könnte man einfach aufhören zu lesen. Aber hinter all diesen hässlichen Formulierungen sitzen reale Menschen, Menschen, denen man auch im realen Leben begegnet und ich frage mich, wie ticken die sonst so?“
von Bettina Marie Schneider: „Hört endlich auf zu polemisieren! Gegen die verbale Verrohung im Internet“

Ich schließe mich dieser Fragestellung an. Wie ticken diejenigen sonst so, die sich bei Pegida über die Andersdenkenden (linke, rechte, obere, untere, vordere, hintere, grüne, rote, blaue, schwarze, gelbe, orange, …) im Lande empören? Sind sie selber so aufgeklärt und humanistisch, wie es unser Land angeblich ist – und was es angeblich gegen Einwanderung zu schützen gilt?
Die Angliederung der DDR an das Gebiet der Bundesrepublik hat niemandem geholfen, seinem Leben Sinn zu geben. Stattdessen wurde fremder Lebenssinn (Materialismus, Überheblichkeit, Umweltbewusstsein, Globalisierungswahn, Nationalismus, Abgrenzung, Privatisierung) durch Menschen des ostdeutschen Landes als Glücksbringer aus „dem Westen“ übernommen. Die eigene Unzufriedenheit mit üblen Zuständen hat uns das gebracht. Nun haben wir Bananen, aber trotzdem keinen Lebenssinn; jedoch die Freiheit, ihn zu suchen… Wer auf der Suche ist, braucht keine fertigen Phrasen zu übernehmen!

Schaltet euer Gehirn ein, statt euch in einen Sog hinein ziehen zu lassen, den ihr nie gewollt habt! Was ist nur von dem sozialen Gedanken im Sozialismus übrig geblieben? In der DDR hatte der Staat die Macht über das Reden der Bürger. „Man darf alles denken, aber nicht alles sagen.“ prägte mir meine Mutti ein. Heute darf man alles sagen, doch man sollte vorher zumindest den Kopf einschalten. (beachte: Die drei Siebe nach Sokrates)

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DB – Geschichtenwettbewerb

DB Bahn:
Hobby-Autoren aufgepasst – gemeinsam mit der Süddeutschen Zeitung suchen wir die besten Kurzgeschichten rund ums Bahnfahren.
Bis 20. Juni 2015 einreichen & eine BahnCard 100 gewinnen!

Es wird wieder Sommer. Nach vielen Wochen des gleichmäßig wechselhaften Wetters in Norddeutschland ohne längere Sonnenscheinphasen war das vergangene Wochenende eine beglückende Ausnahme. Die Ostsee lockte mich nach Boltenhagen. Ohne lange zu zögern stürzte ich mich zu meinem ersten Bad des Jahres in die kühlen Fluten. Nur wenige taten es mir gleich. Ein Junge , der es besonders lange aus hielt, beeindruckte mich. Aus dem Wasser gestiegen, genoss ich es, mit meinem Papa an einem ruhigen Platz zu sitzen, um die Stille und den Blick auf das frische Grün um uns herum zu genießen. Langsam wurden meine Hände wieder warm. Das kurze Bad hatte sie ordentlich abgekühlt.

Dann machten wir einen Spaziergang über die Promenade. Unterwegs genehmigten wir uns ein Fischbrötchen und suchten uns ein Plätzchen zwischen den Imbissbüdchen, um es zu verschnabulieren. Die Musik, welche sich aus Lautsprechern über uns ergoss, war zweifellos vom Ballermann abgeguckt. Womit hatten wir das verdient? Mit Ostseeflair hatte das überhaupt nichts zu tun. Bald suchten wir das Weite…

Als ich mich von meinem Papa verabschiedet hatte, begab ich mich auf den Heimweg mit der Deutschen Bahn. Beim Warten auf meinen Zug am Schweriner Hauptbahnhof überkam mich das dringende Bedürfnis, das Stille Örtchen – eine Bezahltoilette – aufzusuchen, was mir besser nicht passiert wäre. Die Toilette ist ein absoluter Saustall. Ich erinnerte mich, vor etwa zwei Monaten schon einmal dort vorbei geschaut zu haben, und die Einrichtung hat sich nicht verändert. Eine Toilette war mit Scheiße beschmiert, auf der zweiten Toilette war ein Rest von Papier auf dem Boden zu sehen – von Klopapier keine Spur. Nur die dritte Toilette war überhaupt zu benutzen, auch wenn der Klopapierhalter kaputt war. Es gab kein funktionierendes Waschbecken. Ist dies das Niveau einer Landeshauptstadt oder der Deutschen Bahn? Ich bin entsetzt.

Glücklich, aus dem Saustall heraus zu sein, stieg ich in den IC und fuhr nach Hause.

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Die Lebenskraft in chinesischer Weltsicht

Ein Beitrag der zum Hören und zur gesammelten Aufmerksamkeit animiert und der Gedankenanstöße für Menschen geben kann, die sich für innere Kampfkunst, Qigong oder allgemein die chinesische Weltsicht interessieren:

Qi – Die geheimnisvolle Kraft

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Eine Stadt wie keine andere

1997 besuchte ich Hong Kong mit einer christlichen Reisegruppe. Es war nur wenige Monate vor dem Ende der 100-jährigen Zugehörigkeit der asiatischen Metropole zur britischen Krone. Eben las ich einen Bericht über die Stadt, der meim Fernweh weckte…

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Ein positives Zeichen in einer gespaltenen Gesellschaft

Sigmar Gabriel demonstriert in Dresden die Bereitschaft, den Rednern »beim Forum „Warum (nicht) zu Pegida gehen?“, das die sächsische Landeszentrale für politische Bildung (SLpB) organisiert hat,« zuzuhören. Andere sind dazu leider nicht bereit – auf Seiten Pegidas und auf Seiten der Gegner dieser Bewegung gleichermaßen.

Sigmar Gabriel trifft Pegida-Anhänger in Dresden

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Schule und Arbeit

Worin besteht der Sinn des Lebens und Lernens? Ist der Mensch geboren, um zu arbeiten? Soll die Schule im Schüler bewirken, der kapitalistischen „Religion“ willig zu folgen?

„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ‚ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen“ (Twitternachricht der 17-jährigen Naina aus Köln)

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Papstansprache an das Diplomatische Corps

„In einem sind sie sich immer treu geblieben: in ihrem Respekt vor nichts und niemandem.“ heißt es von den Redakteuren und Karikaturisten des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“.

Diese Ausschnitte aus der Papstansprache an das Diplomatische Corps machen für mich deutlich, wie tief die Trennung zwischen den Menschen ist, wenn sie den Respekt vor anderen Menschen verlieren und dies auch noch zu ihrem Leitspruch erheben:

Dieselben Weihnachtserzählungen zeigen uns das verhärtete Herz der Menschheit, die sich schwer tut, das Kind aufzunehmen. Von Beginn an wird auch Er ausgeschlossen, draußen in der Kälte gelassen, gezwungen, in einem Stall geboren zu werden, da in der Herberge kein Platz war (vgl. Lk 2,7). Und wenn schon der Sohn Gottes so behandelt wurde, wie sehr erst viele unserer Brüder und Schwestern! Es gibt eine Art Ablehnung, die uns gemeinsam ist, die uns dazu leitet, auf den Nächsten nicht wie auf einen Bruder zu schauen, den man annimmt, sondern ihn außerhalb unseres persönlichen Lebenshorizonts zu lassen, aus ihm sogar einen Konkurrenten zu machen, einen zu beherrschenden Untertan. Es handelt sich um eine Mentalität, die jene Wegwerfkultur erzeugt, die nichts und niemanden verschont: von den Lebewesen zu den Menschen und sogar bis zu Gott selbst. Aus ihr geht eine verwundete Menschheit hervor, die ständig von Spannungen und Konflikten aller Art zerrissen wird…

So verbindet sich mit einer persönlichen Dimension der Ablehnung unausweichlich eine soziale Dimension, eine Kultur, die den anderen zurückweist, die engsten und echten Beziehungen abbricht und am Ende die ganze Gesellschaft auflöst und sie auseinander brechen lässt und Gewalt und Tod hervorbringt. Einen traurigen Widerhall davon haben wir in den zahlreichen Ereignissen des Tagesgeschehens, nicht zuletzt das tragische Blutbad in Paris vor einigen Tagen. Die anderen werden „nicht mehr als Wesen gleicher Würde, als Brüder und Schwestern im Menschsein wahrgenommen, sondern als Objekte betrachtet“ (Botschaft zum 48. Weltfriedenstag, 8. Dezember 2014, 4). Und der freie Mensch wird zum Sklaven – mal der Mode, mal der Macht, mal des Geldes, mitunter sogar von abwegigen Formen der Religion. Es sind die Gefahren, die ich in der den zahlreichen Arten moderner Sklaverei gewidmeten Botschaft zum letzten Weltfriedenstag in Erinnerung rufen wollte. Diese entspringen einem korrumpierten Herzen, das unfähig ist, das Gute zu sehen und zu tun und den Frieden zu verfolgen.

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Das gleiche Prinzip

Seit Anfang Dezember bin ich im Klavierunterricht bei Jing Li, meiner zweiten Klavierlehrerin. Angefangen hatte ich vor knapp vier Jahren (am 28. Februar 2011), eine Woche nach meinem 41. Geburtstag, mit dem Unterricht. Nach zwei Jahren beendete ich ihn, da ich gerne Orgelspielen lernen wollte und dafür einen Lehrer suchte. Dieses Unterfangen scheiterte dann jedoch nach kurzer Zeit: kein Geld, kein Instrument zum Üben, das Gefühl, mich zu überfordern.

Auch wenn ich die Noten lesen und mich darin zurecht finden kann, habe ich mir in den letzten vier Jahren eine Spielweise angewöhnt, die nicht optimal ist. Von Jing Li werde ich angehalten, die Verkrampfung der Hände zu lösen, um dadurch gelöster, schneller und ausdrucksvoller spielen zu können. Das Spiel soll nicht eindimensional bleiben.

Auf dem Heimweg vom Unterricht fiel mir heute wieder auf, wie verspannt und schmerzhaft sich die Gelenke meiner Finger anfühlten. Das ist – wie im Taijiquan – der erste Schritt, zu spüren, wo Spannung ist. Ich mag zwar jetzt meine Finger im Unterricht entspannter bewegen, als ich es gewohnt bin, doch die Entspannung führt nicht zum Wohlgefühl, sondern zum Schmerz – wie im Taijiquan. Erst wenn es für die Hände normal geworden ist, die Spannung aufzugeben, wird der Schmerz einem Wohlgefühl weichen.

So kann mir das Klavierspiel ein Lehrer fürs Taiji sein. Ich lerne loszulassen.

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Je suis Charlie?

Je suis ...


An den letzten Tagen und in den letzten Wochen sind zwei Phänomene passiert, welche Deutschland, Frankreich und die Welt erschütterten:

In Dresden formierte sich die Pegida-Bewegung, welche in den öffentlichen Medien zum Feindbild der offenen Gesellschaft stilisiert wird. Nach ihrem Positionspapier steht Pegida für die Rückbesinnung der europäischen und deutschen Gesellschaft auf die Eigenständigkeit ihrer Kultur und für das Ziel, die Gesellschaft nicht durch die zugewanderten (islamischen) Bürger dominieren zu lassen, sondern diese zu integrieren. Nach meinem Verständnis bedeutet das, ein deutsches Selbstverständnis zurück zu erlangen, welches durch die westdeutsche Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten immer mehr verteufelt wurde. „Ich bin kein Deutscher, sondern Europäer oder Weltmensch.“ lautet die politisch korrekte Parole. (In Ostdeutschland gab es keine Globalisierung. Dafür war der politische und wirtschaftliche Horizont der DDR zu klein.)
Die Medien, welche ich seit Entstehen der Pegida verfolgt habe, versuchen teilweise ein Verständnis für die verunsicherten Bürger mit „Angst vor Fremden, die sie kaum kennen“ (FAZ) zu heucheln. Im Allgemeinen werden die Pegida-Demonstranten und -Initiatoren jedoch als ausländerfeindlich und rückwärtsgewandt bezeichnet und es wird zu Aktionen gegen sie – zu Gegendemonstrationen – aufgerufen. Die Beleuchtungen von öffentlichen Gebäuden und Kirchen werden ausgeschaltet, um ein Zeichen des Protests gegen die Pegida-Demonstrationen zu setzen.

Noch höher schlagen die Wellen politischer Empörung seit am Mittwoch ein Anschlag auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo verübt wurde, durch welchen 12 Menschen zu Tode kamen. Die Grausamkeit dieses Verbrechens drückt sich in dem Aufschrei der Gesellschaft und Politiker aus, welche einstimmig die Verteidigung der „westlichen Werte“ skandieren, welche durch die Satirezeitschrift in bester Manier vertreten werden. Ein Schlagwort kommt dabei immer wieder zur Sprache: Freiheit: die Meinungsfreiheit, die Freiheit der Rede.

Doch warum beschränkt sich der Wertekanon des Westens auf diesen Begriff? Warum steht er nicht im Gleichgewicht beispielsweise mit Weisheit, Gerechtigkeit, Fairness, Verständnis? Warum ist es richtig und ein Ausdruck von Freiheit, den Muslimen Spottbilder ihres Propheten vorzuhalten, um sich dann darüber zu empören, dass diese Freiheit auch unliebsame Folgen haben kann?

Mich erinnerte das Verhalten der Massen mit ihrem Je-suis-Charlie-Schlachtruf an den Film Die Welle. Diesem Bekenntnis fehlt jede Differenziertheit. „Ich kann sagen, was ich will.“ ist das Motto. „Ich bin frei!“ Auf diesen Zug springen unzählige Menschen mit auf. Sie fühlen sich bedroht durch ungreifbare mögliche islamische Attentäter, welche Teil der Gesellschaft sind. Diese Bedrohung soll durch die Überwachung und Ausweisung potenzieller Attentäter und durch das Bekenntnis zur westlichen Borniertheit („Ich bin das Maß aller Dinge“) ausgerottet werden. Um so mehr Menschen mit einer Stimme „Je suis Charlie“ rufen, umso richtiger muss der Spruch sein.

Doch wie viele sind wirklich mutig genug, ihre Meinung zu sagen, statt sich dem Main Stream anzugleichen? Ich sehe derzeit nichts davon!

Andere Gedanken zum Thema:
– Neue Osnabrücker Zeitung: Was bedeutet Je suis Charlie?
„Ich bin Ahmed“: Trauer um toten muslimischen Polizisten
– Matthias Heitmann: „Je ne suis pas Charlie“ – und gerade deshalb für die absolute Pressefreiheit!

Nachtrag:
In der Diskussionsrunde von Günter Jauch sprach die Muslima Souad Mekhennet darüber, dass sie mit einem Bewusstsein von Respekt gegenüber verschiedenen Religionen aufgewachsen ist; dass sie eine katholische Schule besucht und auch mehrmals im Krippenspiel Maria, die Mutter Jesu, gespielt hat. Ich freue mich, dass ich nicht der Einzige bin, der die „Freiheit“ relativiert, die sich das Abendland teilweise zwanghaft auf die Fahne schreibt. Die „Schere im Kopf“, nicht schreiben zu dürfen was man will, kann auch die Schere sein, welche in der Weisheitslegende von Sokrates und seinen „drei Sieben“ beschrieben ist.

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Taijiquan und das lieb gewonnene Geld beim Chinesen

Guo Guangchang
DER WARREN BUFFETT VON SCHANGHAI

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