Meine bisherige Lebensgeschichte mit Musik und Geige

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Schmerzen und Taijiquan

Mein Leben lang – solange ich denken kann – mache ich Musik. Vor einem Jahr begann ich, ein neues Instrument zu lernen: die Geige. Als Kind war ich es schon einmal angegangen, hatte es dann aber – nach etwa einem 3/4 Jahr – aufgegeben. Meine Schwester erklärte mir kürzlich, dass dies wegen Schmerzen in der Schulter gewesen sei, welche das Geigenspiel hervorgerufen hätte. Ich hatte immer gedacht, es hätte daran gelegen, dass ich mein linkes Handgelenk nicht so weit verdrehen konnte, wie es zum Geigenspiel nötig ist…

Nun spiele ich also wieder seit einem Jahr Geige und werde in 1,5 Wochen meinen ersten Auftritt bei einem Schülerkonzert haben. Am letzten Sonnabend hatte ich die erste Probe mit meiner Klavierlehrerin, welche mein Geigenspiel begleiten wird. Sie empfahl mir, mir bei YouTube ein Video zu suchen, wo jemand das Stück etwa in meinem Tempo spielt, um es mit dieser Musik als Begleitung üben zu können. Gesagt, getan! (Auf meinem Smartphone kann ich das Tempo der abgespielten Musik auch drosseln.)

Seit Sonntag übte ich dann auch ein bisschen mehr als sonst so. Und heute kam der „Schrecken des Erwachens“: Als ich nach der Arbeit – zu Hause angekommen – aus dem Bus ausstieg und meinen Rucksack auf den Rücken nahm, spürte ich einen Schmerz in der Schulter. Dieser Schmerz kam mir im Laufe des Abends auch immer mal wieder ins Bewusstsein…

Nachdem ich mir den Actionfilm „Die weiße Schlange“ (mit Jet Li) angesehen hatte und der Schmerz wieder zunahm, versuchte ich erst einmal, meine Schulter zu lockern. Ich stellte mich hin, die Füße parallel, und ließ die Arme hin und her schwingen… Wenn der linke Arm nach hinten schwang, wurde der Schmerz schlimmer. Es war ein Gefühl, als ob die Schulter durch den Schmerz immer heißer wurde. Ich fühlte mich auch leicht schummerig… Ich setzte mich also wieder und schaltete den Fernseher ein. „Sing meinen Song“ lief gerade – meine Lieblingsmusiksendung mit Lena als heutiger Star des Programms.

Als Stefanie, die Sängerin von Silbermond, ihren Auftritt hatte, versuchte ich noch mal, meine Schulter zu lockern, indem ich den ersten Teil der Langform des Yang-Stils ganz langsam und aufmerksam lief. Die Augen hatte ich erst einmal geschlossen. Weil ich nach kurzer Zeit das Gleichgewicht verlor, wärend ich einen Fuß umsetzte, fing ich einfach wieder von vorne an… Das Gefühl bei den Bewegungen war immer mehr beeinflusst durch die Vorstellung der Schlangenbewegungen, welche ich im Film gesehen hatte. Gefühlsmäßig verschwammen die Eindrücke, welche der Film in mir hinterlassen hatte, mit der Art, wie ich mich bewegte und was ich dabei spürte…

Der Schmerz in der Schulter war während dieser Übung kaum wahrnehmbar.

Diese Erfahrung möchte ich gerne teilen. Bestimmt erlebt ihr auch so etwas, wenn ihr Taijiquan „meditativ“ (den Körper und den Geist wahrnehmend) übt. ☺

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AfD <== contra ==> Kirche

Berlin direkt – Der Konflikt zwischen Kirchen und AfD

AfD und/ oder Kirche

Die Unfähigkeit zum Miteinander
Die Unfähigkeit zum Perspektivwechsel
Die Unmöglichkeit des Voneinanderlernens
Die Unmöglichkeit des Kompromisses

Das sind WIR – das ist Deutschland

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Der richtige Artikel – Sinologische Pausenarbeit zu ‚Erhu‘

Auf die Frage, welcher Artikel im Deutschen für das Wort „Erhu“ zu verwenden ist, habe ich mir eben folgende Gedanken gemacht:

Frage von Sandy (洪恩希): „p.s. ist der Artikel von Erhu wirklich „die“?
Die Erhu, der Erhu, das Erhu. . .“

Meine Antwort:
„Die Frage des korrekten Artikels zum chinesischen Wort Erhu 二胡 möchte ich an dich zurück geben. Das Wort 二胡 setzt sich aus der Zahl 2 und der Silbe Hu zusammen, welche aus Huqin entnommen ist. Wie ich gelesen habe, steht darin die Silbe Hu für ‚barbarisch‘, Qin für ‚Streichinstrument‘ – im weitesten Sinne heißt Huqin also ‚barbarische Geige‘ – Artikel wäre ‚die‘ (Geige) – oder ‚barbarisches Streichinstrument‘ – Artikel wäre ‚das‘ (Instrument). Ich denke, dass die Assoziation zu ‚Geige‘ passender wäre. ‚Streichinstrument‘ wäre zu technisch – für meinen Geschmack. 

Doch das eigentliche Artikelproblem macht die Silbe Hu, da sich an ihr der Artikel von Erhu entscheidet. Übersetze ich Hu mit ‚barbarisch‘, ist die Zusammensetzung mit der 2 zu einem Substantiv unmöglich. Dann hieße das Instrument ‚zwei-barbarisch‘. Wenn man ‚barbarisch‘ substantiviert, erhält man ‚(die) zwei Barbaren‘ oder noch genauer ‚(der) zweier Barbar‘, was wohl dem chinesischen Verständnis fern liegen dürfte. Ich denke, dass für den Chinesen das Wort wohl eher im Sinne von ‚barbarische Geige mit 2 Saiten‘, also als Er-Huqin, zu verstehen ist. Darum nutze ich den Artikel ‚die‘ für die Assoziation zu (die) barbarische Geige mit zwei Saiten.

Was wäre dein Vorschlag für eine Begründung des richtigen Artikels? Vielleicht fragst du mal einen Sinologen aus dem Konfuziusinstitut. ;-)“

Sandys Antwort:
„Ok – kommen wir zurück zum Thema Erhu.

胡 – das Wort habe ich gerade recherchiert, denn es gibt Wörter, die viele verschiedene Bedeutungen haben, welche wir heutzutage nicht mehr verwenden oder deren Bedeutung wir gar nicht mehr kennen.

Ok, ich wollte eigentlich auch mein Ergebnis zeigen, stelle aber fest, dass Sie schon alles richtig geschrieben haben… Na gut.

Huqin gab es schon in der Tang Dynasty(唐代), wie wir aus einem Gedicht aus der Tang Dynasty wissen. Das sind bis heute über 1000 Jahre. Huqin wurde auch als Name für alle Streich- und Zupfinstrumente aus China und aus Chinas Westen verwendet… (胡 ist übrigens auch ein Name, den die Barbaren sich selbst gegeben haben. Und 胡 hießen auch allgemein Sachen aus dem Westen oder Norden. Wir haben Hu qin, Hu jiao (Chili), Hu Luo bo (Möhre) als Begriffe für Dinge, die eigentlich aus dem Westen und Norden stammen, und deshalb solche Namen erhalten haben. )

Ok andere Sachen haben Sie schon erklärt.

Schade. :/ Ok, nächstes Mal befrage ich die Konfuzius-Instituter über den Artikel.“

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Gebt den Geist frei!

Christoph Schwennicke, Chefredakteur des Cicero Magazins für politische Kultur, äußert – im Sinne des Grünen-Politikers Winfried Kretschmann wie auch in meinem Sinne – folgenden Wunsch zum Jahreswechsel:

Bitte gebt den Geist frei! Wir brauchen ihn. Dringender denn je.

Das aktuelle Magazin enthält eine Liste der „500 wichtigsten Intellektuellen“, von Personen, die das Denken stimulieren, den Geist anregen.

Intellektuelle müssen das Recht haben, freier zu denken. Sonst verkümmert der Geist.

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rechts oder links

Die Meinungsforscherin Noelle-Neumann hat beschrieben, was Menschen unter rechten und was sie unter linken Werten verstehen. Als linke Werte gelten danach: Gleichheit, Gerechtigkeit, Nähe, Wärme, Formlosigkeit, das „Du“, Spontaneität, das Internationale und Kosmopolitische. Ihnen stehen als rechte Werte gegenüber: Betonung der Unterschiede, Autorität, Distanz, geregelte Umgangsformen, das „Sie“, Disziplin, das Nationale.

(Auszug aus Rechts-Links-Schema von Bundeszentrale für politische Bildung)

Diesen Ausschnitt möchte ich gerne als Einleitung für die Beantwortung einer Fragestellung nutzen.

Frage von Merten Klee: Welches System konkret findest du inwieweit erhaltenswert? Wo siehst du da im Programm der afd eine Alternative?

Antwort: Diese Frage schloss sich meinem Gedanken an, dass „die Wahl der AfD die einzige Möglichkeit ist, überhaupt ‚rechts‘, also systemerhaltend statt ‚fortschrittsgläubig‘ zu wählen“, weshalb ich sie für „die bessere Alternative“ halte. Welches System möchte denn die AfD erhalten? Es ist vor allem ein System, welches auf Abgrenzung und Selbstbestimmung beruht. Grenzen bestehen gegenüber fremden Gesellschaften und Rassen und Kulturen. Grenzen bestehen gegenüber abweichenden Verhaltensweisen (von den Normen einer Gruppe/ Gesellschaft). Grenzen bestehen gegenüber der Beliebigkeit.
Entsprechend dem Zitat der Meinungsforscherin Elisabeth Noelle-Neumann (siehe Wikipedia) sind dies „rechte Werte“: Betonung der Unterschiede, Distanz, geregelte Umgangsformen, das Nationale.

Das Nationale ist der Bevölkerung in der westdeutschen Gesellschaft offenbar systematisch aberzogen worden. Es ist ein „Unding“, in einer Fernsehsendung oder öffentlichen Veranstaltung „nationale Interessen“ zu vertreten, ohne dafür zumindest schräg angesehen oder gar als Nazi diffamiert zu werden. Eine Gesellschaft, die nur noch aus „Weltmenschen“ besteht, welche weder eine nationale Identität besitzen noch eine solche bei anderen zulassen, ist unfähig, mit „rechter Politik“ umzugehen.

Als die DDR am Aufstand ihrer Bürger zugrunde ging, wurde für eine kurze Zeit ein „Runder Tisch“ einberufen, an welchem die Interessen des Volkes diskutiert und vertreten wurden. Dieser Runde Tisch war nicht mehr bestimmt von der Staatsdoktrin/ Ideologie des Marxismus/ Leninismus und der SED, sondern von den Intellektuellen und Kritikern des Systems. An dieser Stelle zeigte sich meines Erachtens das Potenzial demokratischer Entscheidungssuche und -findung. Die Entscheidung, welche dann getroffen wurde, war dominiert von dem Bedürfnis der Masse der Bevölkerung, am Wohlstand der BRD teilzuhaben, ohne das dahinter stehende System des Materialismus und Kapitalismus in Frage zu stellen. Ich hätte mir gewünscht, dass dieser Runde Tisch eine neue demokratische Form gestaltet, welche sowohl das Streben nach gesellschaftlichem Zusammenhalt bewahrt, welches in der DDR ideologisch und politisch manifestiert war, aber auf der anderen Seite jedem Bürger die persönliche Freiheit gewährt, das Leben zu gestalten und freiheitlich seine Interessen zu vertreten, seien sie materieller oder religiöser oder weltanschaulicher Natur.

Und nun komme ich zur Beantwortung der Frage. Ich finde ein System „erhaltenswert“, welches ich als Heimat bezeichnen würde. Diese Heimat habe ich 1990 verloren. Eine Heimat besteht für mich aus Menschen, welche mir ähnlich sind, mit denen ich gemeinsam an der Gestaltung einer besseren Welt arbeite. Diese bessere Welt ist für mich jedoch keine globale Welt, sondern eine örtlich und national begrenzte. So wie ich die Welt nur durch meine eigene Veränderung beeinflussen kann, kann dies politisch nur durch die Einwirkung auf die staatliche Politik Deutschlands geschehen.

Die Politik, welche seit langer Zeit in Deutschland betrieben wird, hat den Blick auf das eigene Land und die deutsche Nation verloren. Dieser Blick müsste m.E. wieder eröffnet werden. Dafür ist die AfD ein „Motor“, welcher leider viele Macken hat, welche mit der Zeit vielleicht weniger, vielleicht mehr werden. Doch ihre Arbeit ist der Anfang einer neuen Bewegung der Selbstfindung Deutschlands – welches vielleicht irgendwann auch wieder meine Heimat wird…

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Die Bedeutung des Taijiquan für mein Leben

Auf die Frage, was Meditation mir für mein Leben bringt, habe ich folgende Gedanken aufgeschrieben:

Ich bin mit einem Virus für die langsamen meditativen Bewegungen des Tai Chi infiziert worden durch die Kung-Fu-Serien mit David Carradine und durch meinen Blick über die große Mauer nach China. 1997 reiste ich für zwei Wochen ins Land der aufgehenden Sonne, das Reich der Mitte, und was mich interessierte, waren vor allem der Geist dieses fremden Volkes und seine Kampfkünste. Gesehen habe ich dann aber nicht besonders viel davon…

Das Leben in Deutschland ist für mich eine traurige Geschichte. Aus der friedlichen Revolution in der DDR wurde der Niedergang der menschlichen Beziehungen und die Konzentration auf das Ego und seine Befriedigung.

Durch das meditative Taijiquan lerne ich Zufriedenheit in dieser unbefriedigenden Situation. Ich bin ganz bei mir. Der Körper entspannt sich, der Geist wird gelassener, die Energie (chin. Qi) fließt in meinem Körper und lässt ihn warm und „voll“ werden. Ich kann für diese Momente der Meditation die Landschaft genießen, wenn ich in einem weitläufigen ruhigen Park oder am Meer oder an einem See übe.

Einigen Menschen bin ich begegnet, mit denen ich diese Erfahrung teilen oder ihnen auf dem Weg damit Hilfestellung geben konnte.

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Mein Wort zum Thema Wissenschaft

Frauke Petry – Vortrag Landau – AfD Bayern

Peinlich. Frauke Petry bezeichnet sich selbst als Wissenschaftlerin und macht dann einen so schwerwiegenden logischen Fehler:

Fragestellung: Was ist die Ursache für den gravierenden Anstieg des Kohlendioxid-Gehaltes der Luft in den letzten 200 Jahren? Ist Ursache des Anstiegs des CO2-Gehaltes der Luft die Erhöhung der durchschnittlichen Temperatur, also eine einsetzende „Warmzeit“ (was es in der Erdgeschichte immer mal wieder gibt), und die daraus folgende geringere Löslichkeit des Kohlendioxids im Meereswasser, oder ist es die Herausbildung des Kapitalismus und seiner maßlosen – permanent zunehmenden – Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Energieträgern?

Oops. Frauke Petry meint doch tatsächlich, dass es logisch ist, dass zuerst der Temperaturanstieg gewesen sein muss (Hypothese), da das einen Anstieg des CO2-Gehaltes der Luft hervorrufen würde.

Dass ein explosiver Anstieg der Verbrennung von Kraftstoffen (das ist keine Hypothese) nicht zu einem Anstieg des CO2-Gehaltes geführt hat, erschließt sich meiner Logik allerdings nicht.

P.S. Die AfD Bayern hat diesen Beitrag auf ihrer Facebook-Seite „zensiert“/ gelöscht. Ich dachte, die AfD wäre freier…

AfD Flyer

Ich bin gespannt, ob die AfD Hamburg das hält, was sie in ihrem Flyer verspricht…

Lesezeichen: Klimawissen, Klimaerwärmung durch Kohlendioxid – Der Beweis

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Was bedeutet das Integrationsgesetz?

Annonce: Wendehälse gesucht

Der Mensch ist (für die deutsche Wirtschaft und Politik) wertvoll, wenn er leistungsfähig und anpassungsfähig ist.

„Wir sind die Borg! Ihre Existenz, wie Sie sie kennen, endet hiermit. Wir werden Ihre biologischen und technologischen Charakteristika den unsrigen hinzufügen. Ihre Kultur wird sich anpassen und uns dienen.
Widerstand ist zwecklos!“
Deutschland (Die Borg)

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Zurück in die Zukunft

Als Einleitung für die Facebookgruppendiskussion fasse ich hier die einleitenden Gedanken des Buches „selbst denken – Eine Anleitung zum Widerstand“ von Harald Welzer zusammen, welche ich für wichtig und interessant erachte: selbst denken - Gruppenbild

In den letzten beiden Jahrhunderten bildete sich in unserer Gesellschaft ein Weltbild heraus, das vom Streben nach Fortschritt und Wohlstand geprägt und vom Gefühl der Macht über die Prozesse der Entwicklung von Technik, Gesellschaft, Natur, … durchdrungen ist. „Höher weiter besser“ ist das Motto. Wir Menschen haben in der Moderne eine „mentale Prägung“ (S. 9) entwickelt, „die die Phantasie technisch aufrüstete und die Entdeckungen von Christoph Columbus und die Eroberung des Wilden Westens in Gestalt von Apollo 11 und den Astronauten Armstrong, Aldrin und Collins in der Gegenwart so fortschrieb, dass man selbst ein Teil dieser unablässigen Erweiterung des Machbarkeits- und Erweiterungshorizonts wurde. Auch auf diese Weise wurde die expansive Kultur der Moderne Teil unserer mentalen Innenausstattung… Eine solche Prägung erzeugt Zukunftsgewissheit… (und) macht die Gegenwart durchlässig und immer nur momentan zur einen Version von vielen möglichen Wirklichkeiten und zu einem Noch-Nicht, das schon auf das jeweils nächste Stadium vorausweist.“ (S. 9f) Diese Zukunftsgewissheit übersetzt das expansive Kulturmodell in die Gefühls- und Innenwelt und erzeugt gleichzeitig eine kulturelle Bindung, aus der nicht leicht zu entkommen ist.

Mit dem Ende der rivalisierenden Systeme von Ost und West „begann auch das Ende der west-östlichen Hegemonie über die Welt“ (S. 19). Die kapitalistische Wachstumswirtschaft verbreitete sich über immer mehr Länder der Erde und führte damit für einen großen Teil der Menschheit zur Modernisierung ihrer Lebenswelt und zur Erhöhung ihres Wohlstands. In gleichem Maße, wie der Wohlstand zunimmt, wächst auch die zerstörende Wirkung der Menschheit auf die Umwelt. Was in der industriellen Revolution zuerst in der westlichen Welt erprobt wurde, geschieht nun in vielfach vergrößertem Maßstab auch in der restlichen Welt. Diese Neugestaltung der Verhältnisse zwischen Ost und West bedeutet für die westliche Gesellschaft den Verlust der Dominanz und damit auch den Verlust der Fähigkeit, die Zukunft (allein nach ihrem Gusto) zu gestalten. Plötzlich sind viel mehr Mitspieler im Geschäft, und jeder Mitspieler hat (zuallererst) seinen Vorteil im Sinn. „Es geht inzwischen, inmitten von Finazkrise, Klimawandel, Ressourcenkonkurrenz und Globalisierung der Wirtschaftskreisläufe, schon längst nicht mehr um die Gestaltung einer offenen Zukunft: Aller Schwung ist dahin. Es geht nur mehr um Restauration; um die Aufrechterhaltung eines schon brüchig gewordenen Status quo, in diesem Sinne nicht mehr um Politik, sondern um ein hektisches Basteln.“

An dieser Stelle kommt mir die Beschreibung der Bundeskanzlerin Angela Merkel und der (in ihr erfüllten) Ansprüche der deutschen Wählergemeinschaft durch Roger Willemsen (aus seinem Buch: Das hohe Haus, S. 5-7) in Erinnerung:

„Montag, 31. Dezember, Neujahrsansprache

Steif und fern, wie sie da sitzt, wirkt sie nicht, als müsse sie mir dringend etwas sagen. Eine Mediengesellschaft sollen wir sein, wählen Menschen mit dem Privileg zum Volk zu reden – und dann reden sie so? Vielleicht ist es umgekehrt: Wer an der Macht nicht auffällt und sich mit dem Volk auf Gemeinplätzen verabredet, kann immer weiter herrschen…

Sie weiß, was wir hören wollen, spricht deshalb von der »sicheren Zukunft«, an die ich nicht glauben kann, von dem »kleinen medizinischen Wunder« der mitwachsenden Herzklappenprothese bei einer jungen Frau, woran ich durchaus glauben kann. Doch ist dies ein Beispiel mit Kalkül, und dies schmeckt vor. Zur Kultur außerhalb der Wissenschaft kein Wort, an ihrer Stelle prunkt »die Bereitschaft zur Leistung und soziale Sicherheit für alle«, und weil es die Rede so verlangt, müssen schließlich die Begriffe »menschlich und erfolgreich« noch einmal zusammentreten, ehe mir die Kanzlerin »Gottes Segen« wünscht. Dann geht sie wieder ihren Geschäften nach, und ich bleibe zurück.“

Auf die westliche Gesellschaft bezogen bedeutet die weltweite Veränderung eine Irritation ihres Selbstbewusstseins, ein mächtiges, der Zukunft zugewandtes Wesen darzustellen, das die Macht über die Zukunft der Welt in sich trägt. „Die Menschen verharren, trotz mit Händen und Füßen zu greifender Veränderungsprozesse in Rolle, sozialer Lage und politscher Macht »in ihrer Persönlichkeitsstruktur, in ihrem sozialen Habitus auf einer früheren Stufe«4 – nämlich auf dem Höhepunkt ihrer gefühlten historischen Bedeutsamkeit… Aber die Menschen kommen nicht hinterher; sie glauben, etwas zu sein, was sie schon lange nicht mehr sind.“ Die Menschen nehmen sich selbst wichtiger als sie in der veränderten („multipolaren“) Weltordnung sind, „was aber unter den veränderten Machtbedingungen dann leicht mal als Wichtigtuerei ohne tiefe Bedeutung wahrgenommen wird.

Der Abstieg in die verringerte Bedeutsamkeit ist natürlich auch ein Verlust an Zukunft; jedenfalls an einer Zukunft, die man sich als eine immer bessere, weitere, schönere vorzustellen angewöhnt hat. Und auch deshalb gilt alles politische Interesse in Europa heute der Wiederherstellung des Status Quo ante: als das Wünschen noch in der Wirklichkeit bestätigt wurde. Der Übergang der Politik in einen restaurativen Illusionismus ist verhängnisvoll, weil sie kein Projekt mehr kennt, das über sich selbst hinaus weist: Daher die Rede von der »Alternativlosigkeit«, daher die Missachtung der Eigenlogik demokratischer Verfahren, daher die Verachtung gegenüber all dem, was im 20. Jahrhundert mühsam erkämpft worden ist – zugunsten eines rein tagespolischen Aktionismus, der Entscheidungen von ungeheurer Tragweite an den Öffnungszeiten der Börse ausrichtet. Die Politik ist gerade auf diese Weise, da sie so schnell und aktuell sein will, chronisch von gestern. Handlungsfähig wäre sie nur, wenn sie noch etwas zu gestalten hätte, aber dafür müsste sie eine Vorstellung von einer wünschbaren Zukunft haben. Eine wünschbare Vergangenheit reicht nicht aus.“ (S. 13f)

An dieser Stelle beende ich den Einblick ins Buch. Lasst uns den Weg aus der Sackgasse suchen, die hier beschrieben ist!

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