Die philosophische Grundlage des Tai Chi

Von Fabian Schönegge, Student der Soziologie an der Universität Bielefeld:

Schriftliche Befragung
zum Thema:
Tai Chi – Eine Kampfkunstpraxis in Deutschland

Sind Sie mit der philosophischen Grundlage des Tai Chi vertraut und welche Bedeutung hat diese für Sie?

Meine Antwort:

mehr oder weniger

Fabians Nachfrage:

Diese Frage spielt für meine Arbeit eine wichtige Rolle, und ich müsste näheres dazu wissen. Zum einen, inwieweit du damit vertraut bist und zum anderen, welche Bedeutung das für dich hat?

Meine Antwort:


Was ich darüber weiß (zumindest so ungefähr):

Philosophische Grundlage des Taijiquan ist der Daoismus. Er unterscheidet zwischen Yin und Yang, welche sich aus dem Dao (der ursprünglichen Einheit) bildet. Durch die Wechselwirkung von Yin und Yang (Polaritäten) entsteht alles, was ist.

In den Übungen des Taijiquan wird der Wechsel der Polaritäten im Körper praktiziert. Yin (leer) und Yang (voll) wechseln einander ab, ebenso wie zurückweichen und vorwärts schreiten, heben und senken der Arme, sich ausdehnen und zusammenziehen.

Der Geist ist die Quelle jeder Bewegung. 气 (das Qi/ die Energie) ist der “Botschafter”, welcher die Absicht an die ausführenden Organe weiter leitet, was diese funktionieren lässt. Ohne 气 ist eine Bewegung “tot”. Dies passiert, wenn die Achtsamkeit nicht vorhanden ist, wenn der Geist also nicht führt.

太极 (Taiji) ist die “Einheit der Gegensätze”. Sie entsteht durch die Harmonie von Yin und Yang. Im Gegensatz zu abendländischen Methoden, Mukelkraft durch Anstrengung zu vermehren, wird dies im 太极拳 (Taijiquan) durch das Üben von Entspannung/ Loslassen/ Sinken erreicht. Die Muskulatur wird nicht aufgepumpt, aber trotzdem gestärkt und bleibt gleichzeitig flexibel.

Bedeutung des Daoismus (philosophische Grundlage des Taijiquan) für mich:

Umso mehr praktische Erfahrungen mit der Wirkungsweise der daoistischen Prinzipien ich mache, desto mehr Bedeutung erlangen sie für mich. Ich gehe nicht von einer theoretischen (oder religiösen) Anerkennung aus, sondern möchte das, was ich erfahre, auch geistig durchdringen. Wenn das die daoistische Lehre ermöglicht, ist sie richtig für mich.

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