Papstansprache an das Diplomatische Corps

„In einem sind sie sich immer treu geblieben: in ihrem Respekt vor nichts und niemandem.“ heißt es von den Redakteuren und Karikaturisten des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“.

Diese Ausschnitte aus der Papstansprache an das Diplomatische Corps machen für mich deutlich, wie tief die Trennung zwischen den Menschen ist, wenn sie den Respekt vor anderen Menschen verlieren und dies auch noch zu ihrem Leitspruch erheben:

Dieselben Weihnachtserzählungen zeigen uns das verhärtete Herz der Menschheit, die sich schwer tut, das Kind aufzunehmen. Von Beginn an wird auch Er ausgeschlossen, draußen in der Kälte gelassen, gezwungen, in einem Stall geboren zu werden, da in der Herberge kein Platz war (vgl. Lk 2,7). Und wenn schon der Sohn Gottes so behandelt wurde, wie sehr erst viele unserer Brüder und Schwestern! Es gibt eine Art Ablehnung, die uns gemeinsam ist, die uns dazu leitet, auf den Nächsten nicht wie auf einen Bruder zu schauen, den man annimmt, sondern ihn außerhalb unseres persönlichen Lebenshorizonts zu lassen, aus ihm sogar einen Konkurrenten zu machen, einen zu beherrschenden Untertan. Es handelt sich um eine Mentalität, die jene Wegwerfkultur erzeugt, die nichts und niemanden verschont: von den Lebewesen zu den Menschen und sogar bis zu Gott selbst. Aus ihr geht eine verwundete Menschheit hervor, die ständig von Spannungen und Konflikten aller Art zerrissen wird…

So verbindet sich mit einer persönlichen Dimension der Ablehnung unausweichlich eine soziale Dimension, eine Kultur, die den anderen zurückweist, die engsten und echten Beziehungen abbricht und am Ende die ganze Gesellschaft auflöst und sie auseinander brechen lässt und Gewalt und Tod hervorbringt. Einen traurigen Widerhall davon haben wir in den zahlreichen Ereignissen des Tagesgeschehens, nicht zuletzt das tragische Blutbad in Paris vor einigen Tagen. Die anderen werden „nicht mehr als Wesen gleicher Würde, als Brüder und Schwestern im Menschsein wahrgenommen, sondern als Objekte betrachtet“ (Botschaft zum 48. Weltfriedenstag, 8. Dezember 2014, 4). Und der freie Mensch wird zum Sklaven – mal der Mode, mal der Macht, mal des Geldes, mitunter sogar von abwegigen Formen der Religion. Es sind die Gefahren, die ich in der den zahlreichen Arten moderner Sklaverei gewidmeten Botschaft zum letzten Weltfriedenstag in Erinnerung rufen wollte. Diese entspringen einem korrumpierten Herzen, das unfähig ist, das Gute zu sehen und zu tun und den Frieden zu verfolgen.

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