rechts oder links

Die Meinungsforscherin Noelle-Neumann hat beschrieben, was Menschen unter rechten und was sie unter linken Werten verstehen. Als linke Werte gelten danach: Gleichheit, Gerechtigkeit, Nähe, Wärme, Formlosigkeit, das „Du“, Spontaneität, das Internationale und Kosmopolitische. Ihnen stehen als rechte Werte gegenüber: Betonung der Unterschiede, Autorität, Distanz, geregelte Umgangsformen, das „Sie“, Disziplin, das Nationale.

(Auszug aus Rechts-Links-Schema von Bundeszentrale für politische Bildung)

Diesen Ausschnitt möchte ich gerne als Einleitung für die Beantwortung einer Fragestellung nutzen.

Frage von Merten Klee: Welches System konkret findest du inwieweit erhaltenswert? Wo siehst du da im Programm der afd eine Alternative?

Antwort: Diese Frage schloss sich meinem Gedanken an, dass „die Wahl der AfD die einzige Möglichkeit ist, überhaupt ‚rechts‘, also systemerhaltend statt ‚fortschrittsgläubig‘ zu wählen“, weshalb ich sie für „die bessere Alternative“ halte. Welches System möchte denn die AfD erhalten? Es ist vor allem ein System, welches auf Abgrenzung und Selbstbestimmung beruht. Grenzen bestehen gegenüber fremden Gesellschaften und Rassen und Kulturen. Grenzen bestehen gegenüber abweichenden Verhaltensweisen (von den Normen einer Gruppe/ Gesellschaft). Grenzen bestehen gegenüber der Beliebigkeit.
Entsprechend dem Zitat der Meinungsforscherin Elisabeth Noelle-Neumann (siehe Wikipedia) sind dies „rechte Werte“: Betonung der Unterschiede, Distanz, geregelte Umgangsformen, das Nationale.

Das Nationale ist der Bevölkerung in der westdeutschen Gesellschaft offenbar systematisch aberzogen worden. Es ist ein „Unding“, in einer Fernsehsendung oder öffentlichen Veranstaltung „nationale Interessen“ zu vertreten, ohne dafür zumindest schräg angesehen oder gar als Nazi diffamiert zu werden. Eine Gesellschaft, die nur noch aus „Weltmenschen“ besteht, welche weder eine nationale Identität besitzen noch eine solche bei anderen zulassen, ist unfähig, mit „rechter Politik“ umzugehen.

Als die DDR am Aufstand ihrer Bürger zugrunde ging, wurde für eine kurze Zeit ein „Runder Tisch“ einberufen, an welchem die Interessen des Volkes diskutiert und vertreten wurden. Dieser Runde Tisch war nicht mehr bestimmt von der Staatsdoktrin/ Ideologie des Marxismus/ Leninismus und der SED, sondern von den Intellektuellen und Kritikern des Systems. An dieser Stelle zeigte sich meines Erachtens das Potenzial demokratischer Entscheidungssuche und -findung. Die Entscheidung, welche dann getroffen wurde, war dominiert von dem Bedürfnis der Masse der Bevölkerung, am Wohlstand der BRD teilzuhaben, ohne das dahinter stehende System des Materialismus und Kapitalismus in Frage zu stellen. Ich hätte mir gewünscht, dass dieser Runde Tisch eine neue demokratische Form gestaltet, welche sowohl das Streben nach gesellschaftlichem Zusammenhalt bewahrt, welches in der DDR ideologisch und politisch manifestiert war, aber auf der anderen Seite jedem Bürger die persönliche Freiheit gewährt, das Leben zu gestalten und freiheitlich seine Interessen zu vertreten, seien sie materieller oder religiöser oder weltanschaulicher Natur.

Und nun komme ich zur Beantwortung der Frage. Ich finde ein System „erhaltenswert“, welches ich als Heimat bezeichnen würde. Diese Heimat habe ich 1990 verloren. Eine Heimat besteht für mich aus Menschen, welche mir ähnlich sind, mit denen ich gemeinsam an der Gestaltung einer besseren Welt arbeite. Diese bessere Welt ist für mich jedoch keine globale Welt, sondern eine örtlich und national begrenzte. So wie ich die Welt nur durch meine eigene Veränderung beeinflussen kann, kann dies politisch nur durch die Einwirkung auf die staatliche Politik Deutschlands geschehen.

Die Politik, welche seit langer Zeit in Deutschland betrieben wird, hat den Blick auf das eigene Land und die deutsche Nation verloren. Dieser Blick müsste m.E. wieder eröffnet werden. Dafür ist die AfD ein „Motor“, welcher leider viele Macken hat, welche mit der Zeit vielleicht weniger, vielleicht mehr werden. Doch ihre Arbeit ist der Anfang einer neuen Bewegung der Selbstfindung Deutschlands – welches vielleicht irgendwann auch wieder meine Heimat wird…

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3 Kommentare zu rechts oder links

  1. avatar JanisNo Gravatar sagt:

    Ich kann nicht von anderen Menschen in meiner Nähe erwarten, dass sie mir ähnlich sind. In gewissen Teilen besteht zwar Ähnlichkeit, aber es gibt auch immer so viele Unterschiede.
    Am besten ist es da, wenn ich mir die Leute aussuche die mir gefallen. Heimat ist für mich da wo ich mich sicher und wohl fühle. Da ist Deutschland international betrachtet sehr hoch anzusehehen. Ich würde mir aber wünschen, wenn sich diese Bereich vergrößert und ich auch die Welt sicher erkunden kann. Teilweise ist das wegen Kriegen unmöglich (geworden). Wir müssen mit den Waffenexporten aufhören.
    Wegen einer Frau überlege ich auch in die USA umzuziehen. Es ist auch dort relativ sicher, aber es gibt schon einige Nachteile. Es ist z.B. etwas gefärlicher, weil viele Menschen Waffen besitzen. Und deren internationale Politik ist noch viel schlimmer, sie provozieren die Attentäter ja erst. (Und höufig haben sie die vorher auch noch ausgebildet!)

    Ich sehe mich nach der Definition oben auch eher links, da mir Gleichheit & Gerechtigkeit sehr wichtig sind und ich von Autorität & Distanz nicht viel halte.

    Wir müssen anderen natürlich helfen, wenn sie Hifel suchen. Niemand kann etwas dafür wo er geboren wurde, insofern hatten wir alle viel Glück hier in Deutschland geboren worden zu sein.

    Aber auch das nationale – das sind ja auch nur Grenzen, die Menschen vor meiner Geburt festgesetzt haben. Also sollte ich Menschen nicht danach beurteilen, sondern nach ihrem Verhalten.

  2. Hallo Janis,

    danke für deinen Kommentar.

    Heimat hat für mich wenig mit einem Sicherheitsgefühl zu tun.
    Heimat bedeutet für mich ein Gefühl der Verbundenheit und von Glück:
    Verbundenheit mit einer Landschaft und mit einem Menschenschlag, Glück darüber, Teil von etwas zu sein, was mit mir im gleichen Rhythmus schlägt oder dessen Rhythmus mich mit nimmt.

    Das Nationale ist EIN Rahmen, in den ich hinein geboren wurde. Dadurch, ob ich mich in diesen Rahmen füge oder aus ihm heraus bewege, nehme ich Einfluss darauf, ob es meine Heimat wird oder bleibt. Ich denke, dass ich auch innere Beziehungen in „Landschaften“ habe, aus denen meine Vorfahren stammen. Außerdem habe ich Veranlagungen, die durch meine Eltern, Großeltern und Urgroßeltern geprägt sind.

    Der Ort und die Landschaft und der Staat, in dem ich geboren wurde, ist also kein „Unfall“ oder „Verschulden“ – wie es deine Gedanken suggerieren -, sondern es ist Teil von mir.

    Ich habe kein Interesse daran, dass mir alle Menschen (oder auch nur ein Mensch) gleich sind. Die Unterschiede erzeugen Lebendigkeit/ Energieaustausch. Durch die Unterschiede von Menschen entstehen Abstoßungen und Anziehungen, Bereicherung und Ausbeutung, Liebe und Hass, Yin und Yang. Durch das Dogma der „Gleichheit aller Menschen“ haben linke und rechte Ideologen die Möglichkeit, Menschen nach ihren Vorstellungen zu beherrschen. Verschiedenheit lässt sich viel schwerer regieren. Sie bedarf eines großen Maßes an Kommunikation, Rücksicht, Bescheidenheit. – Wenn man sich jedoch selbst (als Mensch oder als Gesellschaft) zum Maß aller Dinge macht, haben sich die übrigen Menschen an dieses Maß zu halten, oder sie werden (anhand dieser Maßstäbe) kritisiert, etwas falsch zu machen. Und darin schein Deutschland „Meister“ zu sein…

  3. Link zu diesem Tagebucheintrag bei Facebook (Politische Diskussion zur CDU-Wahlwerbung bei „jung & naiv“)

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