Offener Brief an ‚WebSifu‘

Subject: Muss ich mich rechtfertigen?

From: websifu
Sent: Wednesday, November 09, 2011 9:10 AM
To: Schattenboxer
Subject: betr.: Notiz an die „Vereinszeitung“

Ausschnitt:

„Es ist halt einfach nicht jedermanns/jederfraus Sache sich in einem (durchaus in der heutigen Gesellschaft schwierig gewordenem) Themenkomplex „zu outen“.
Und: Nur wenige Menschen „stehen“ tatsächlich zu dem, was sie tun.

Exkurs: Es ist eine Frage der „Stimmigkeit“. Sprich: Stimmt das „Innere“ (meine Gefühle, meine Werte, meine Haltung, meine Meinung, meine Absicht, etc.) tatsächlich mit dem überein, was ich im „Äußeren“ tue und sage? Bzw.: Und der Frage: „Will ich überhaupt, dass (alle!) ‚meine Äußerungen und Handlungen‘ von (jedem) anderen Menschen gesehen und wahrgenommen werden können?“

btw. – Da kommt mir gerade: Wäre das nicht ein Thema für Deinen Blog?
Was meinst Du?“

zu meiner Rechtfertigung … ich kann gerade nicht anders

Hallo Gottfried!

Danke für deine Gedanken zur Sprachlosigkeit. Ich verstehe sie trotzdem nicht, denn ich kenne sie nicht (von mir). Sollen die anderen doch denken, was sie wollen! Ich stehe zu dem, was ich bin und was ich tue und was ich denke. (Bekennender Christ in der DDR zu sein bedeutete gerade dies: zu dem zu stehen, was die Masse belächelte und was Nachteile in Schule und Berufsleben bedeutete. Also entspricht dies ganz der Natur, welche ich mein Leben lang praktiziert habe.)

Wäre da nicht der Krampf, den es in mir auslöst, wenn ich mich missachtet fühle. Diesen Schaden, welchen ich mir zufüge, möchte ich im Moment vermeiden. Dieses Recht nehme ich mir, obwohl ich gerne beispielhaft in der Öffentlichkeit Taijiquan übe. Ich tue es oft, aber im Moment einfach nicht mehr so exzessiv öffentlich.

Ich werde die Gedanken gleich noch mal für meinen Blog formulieren. Das ist eine gute Idee.

Gestern habe ich nach meinem Training die Schuhe ausgezogen, um barfuß nach Hause zu gehen. Auf dem Weg spürte ich, wie „der normale Gang“ hart vom Hacken durch das Bein in den Körper schlug. Das ständige Nach-vorne-fallen wurde mir körperlich bewusst. Nun wollte ich meinen Gang umstellen, so dass ich (taijiquan-mäßig) auf einem Bein stehe, während ich das andere Bein nach vorne setze. Dieser bewusste Gang ließ mich merklich langsamer werden. Wieder war da dieses Gefühl, mich den Blicken der Öffentlichkeit auszusetzen, weil ich nicht nach Norm funktionierte: Man geht nicht so komisch, so langsam! Beim Überqueren der Straße konnte ich den Gang dann auch nicht durchhalten, weil ich vor dem Verkehr auswich, welcher stärker war als mein Selbstwertgefühl. (Dir selbst sei treu!)

Ist es in Ordnung, wenn ich diesen Brief, so, wie er jetzt ist, als offenen Brief in meinen Blog setze?

Liebe Grüße
Jörg Schattenboxer

P.S. Was ist der Themenkomplex, von welchem du meinst, dass es in der heutigen Gesellschaft Schwierigkeiten bringt, sich dazu „zu outen“? Was macht so schweigsam in meinem Blog?

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1 Antwort zu Offener Brief an ‚WebSifu‘

  1. bezüglich:
    P.S. Was ist der Themenkomplex, von welchem du meinst, dass es in der heutigen Gesellschaft Schwierigkeiten bringt, sich dazu “zu outen”? Was macht so schweigsam in meinem Blog?

    Hallo, Lieber Jörg!

    Ich meinte damit, dass es eben viel leichter ist, über Nichtigkeiten und Belangloses zu schreiben. Das Netz ist voll damit.
    Es wird gechattet, getrascht, geulkt …und natürlich auch „gespammt“, was das Zeug hält.

    Schwieriger wird es, wenn es dann darum geht, tatsächlich Inhalte zu bieten, seine Meinung und Gedanken zu einem Thema in vernünftigen und vor allem für andere auch lesbaren Sätzen zu formulieren.

    Anmerkung: Natürlich hat auch dafür die Werbeindustrie schon eine „Prothese“ bereit gestellt: Der Klick auf „gefällt mir“ – „gefällt mir nicht“ ist eben viel leichter, als tatsächlich eine Antwort abzugeben, welche dann vielleicht auch noch begründet werden sollte… „klick“, „klick“, „klick“.

    Bzw.: „Schreiben? – Hilfe, da muss man ja denken – igitt!“ – „…und dann könnten viele andere ja vielleicht auch noch das lesen, was ich geschrieben habe, und dann… Oh je!“
    „Besser ich klicke einfach auf ‚Daumen hoch‘ oder ‚Daumen runter‘ – Das muss genügen!“

    Alles klar?

    cu,
    Taichianer – websifu

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